Wir brauchen mehr gruen

Hitze in Deutschland – Wir brauchen wieder mehr Grün statt Beton

Die Hitzewellen werden immer häufiger und intensiver. Doch die Hitze ist nicht nur eine Folge des Klimawandels – sie wird auch durch unsere Art zu bauen verstärkt. Immer mehr Flächen werden versiegelt: Asphalt, Beton und Schotter ersetzen Wiesen, Bäume und natürliche Böden. Die Folgen spüren wir inzwischen alle.

Ich erinnere mich an einen heißen Sommertag am See. Obwohl die Temperaturen hoch waren, war es auf der Wiese überraschend angenehm. Das Gras, die Pflanzen und der feuchte Boden sorgten für eine natürliche Kühlung. Als ich später zu meinem Auto auf dem geschotterten Parkplatz lief, war es, als würde ich gegen eine Wand aus Hitze laufen. Innerhalb weniger Meter veränderte sich das Klima spürbar. Genau das zeigt, welchen Unterschied Grünflächen machen.

Ein ähnliches Erlebnis hatte ich beim Spaziergang. Nach einem kräftigen Frühlingsregen lief ich über eine Wiese. Der Boden war voller Wasser, weich und durchfeuchtet, wie ein Schwamm. Die Erde hatte den Regen aufgenommen und gespeichert. Heute werden immer mehr Flächen versiegelt. Regenwasser kann nicht mehr versickern, sondern fließt oberflächlich ab. Was früher im Boden gespeichert wurde, fehlt in trockenen Sommern.

Besonders betroffen sind auch unsere Tiere. Hundehalter merkt man das jedes Jahr deutlicher. An heißen Tagen werden Asphalt, Pflastersteine und Schotter so heiß, dass sich Hunde ihre Pfoten verbrennen können. Spaziergänge sind oft nur noch früh morgens oder spät abends möglich.

Was für uns unangenehm ist, kann für unsere Vierbeiner schmerzhaft und sogar gefährlich werden.Noch schwerer trifft es die Wildtiere. Viele natürliche Wasserstellen trocknen aus, Böden werden hart und unfruchtbar, und Nahrung wird knapper. Igel, Vögel, Insekten und viele andere Tiere leiden unter Wassermangel und extremer Hitze. Manche überleben lange Trockenperioden nicht. Jede Grünfläche, jeder Baum und jeder naturnahe Garten kann dazu beitragen, Schatten zu spenden, Feuchtigkeit zu speichern und kleinen Tieren einen Lebensraum zu bieten.

Dabei gibt es Lösungen. Jeder Baum, jede Wiese und jede begrünte Fläche hilft. Dach- und Fassadenbegrünungen können Dächer um viele Grad kühler halten als dunkle Bitumenflächen. Pflanzen verdunsten Wasser, spenden Schatten und verbessern das Kleinklima. Sie wirken wie natürliche Klimaanlagen. Gleichzeitig speichern gesunde Böden Regenwasser und geben es langsam wieder an die Umgebung ab – ein natürlicher Wasserspeicher, den wir viel zu lange unterschätzt haben.Wir müssen aufhören, jeden freien Quadratmeter zu versiegeln. Stattdessen sollten wir entsiegeln, Bäume pflanzen und Grünflächen erhalten oder neu schaffen. Das schützt nicht nur das Klima, sondern macht unsere Städte und Gemeinden lebenswerter – für Menschen, Haustiere und die heimische Tierwelt.

Vielleicht sollten wir uns öfter fragen: Wollen wir auf glühendem Asphalt leben – oder in einer Umgebung, die auch an heißen Sommertagen noch atmen kann?

Denn jede entsiegelte Fläche, jeder gepflanzte Baum und jede begrünte Fläche ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag gegen die Hitze von morgen.

Ich möchte mit diesem Beitrag einen klaren Appell an die Stadt Wetzlar richten: Das geplante Gewerbegebiet Münchholzhausen-Nord sollte nicht weiterverfolgt, sondern im Sinne einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung aufgegeben werden. Die anhaltende und wachsende Kritik vieler Bürgerinnen und Bürger ist dabei kein Zufall, sondern Ausdruck berechtigter Sorgen, die ernst genommen werden müssen.